Januar 2026

Entdecken Sie den Zauber des Anfangs – nicht nur im Januar
Es ist Januar, und das neue Jahr ist bereits wieder ein paar Wochen alt. Das neue Jahr? Wieso haben wir eigentlich am Beginn jedes Jahres die Vorstellung, etwas Altes würde aufhören und etwas Neues beginnen? Geht denn nicht sowieso alles so weiter wie gewohnt? Warum soll der Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Januar etwas anderes sein als etwa der Übergang vom 31. Januar zum 1. Februar?
Nun fängt mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember, ab der die Tage wieder länger werden, ja tatsächlich ein neuer Zyklus an, der uns in Richtung Frühling und Sommer führt – auch wenn sich das im Januar und Februar noch gar nicht so anfühlt. Aber mir geht es heute um die psychologische Perspektive: Ich möchte mit Ihnen darüber nachdenken, was die Vorstellung mit uns macht, dass im Januar etwas Neues beginnt und wir uns somit auch für uns neue Ziele setzen können.
Wenn die meisten von uns diese Ziele nach wenigen Tagen oder Wochen schon wieder aus den Augen verloren haben, ist das dann nicht ein sinnloser jährlicher Selbstbetrug, der uns außer viel zu schnell enttäuschten Hoffnungen nichts bringt? Ich finde: Nein, das ist ganz und gar nicht sinnlos. Sondern ein wunderbarer energetischer Schub, der uns immer wieder zeigt, dass wir es in der Hand haben, uns neu zu erfinden. Schauen wir uns also unsere neujährliche Freude daran, etwas Neues zu beginnen, einmal genauer an.
Unterschiedliche Vorstellungen vom Jahreswechsel
Vielen Menschen haben den Jahreswechsel auch diesmal wieder mit Familie oder Freunden zum großen Event gemacht, gefeiert, getanzt und um Mitternacht die Sektkorken (und manchmal auch mehr) knallen lassen. Andere hielten es wie gewohnt stiller und gemütlicher in kleiner Runde, aßen Fondue oder Raclette, wollten beim Bleigießen einen Blick in die Zukunft werfen und schauten „Dinner for one“.
Doch es gab wie jedes Jahr auch die, die Silvester gar nicht feiern. Sie gehen auf keine Party, laden sich keine Freunde ein. Sie behandeln den Abend wie jeden anderen im Jahr, gehen vor Mitternacht ins Bett und schlafen ins neue Jahr hinein. Und das hat übrigens keineswegs nur mit Einsamkeit zu tun – auch sonst durchaus gesellige und feierfreudige Menschen finden diesen Abend einfach zu willkürlich, zu laut, zu starr und formalisiert.
Hinter den Unterschieden im Umgang mit dem Jahreswechsel stecken auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was sich durch ihn vielleicht ändern könnte. Ich bekam zum Beispiel eine Sprachnachricht von einer Bekannten, die mir mit warmem Timbre im Tonfall und in den schillerndsten Farben beschrieb, wie schön die Weihnachtstage und der Jahreswechsel waren.
Sie schwärmte, dass sie nicht verreisen musste, weil ihre Familie zu ihr kam, es sei so schön, kuschelig und harmonisch gewesen, und es gipfelte in einem Satz, der im Blick auf das Kommende voller Gelassenheit und Zufriedenheit war: „So könnte es im neuen Jahr jetzt einfach weitergehen …“
Ganz anders war das bei einem Klienten, der mir in unserem Jahresanfangsgespräch erzählte: „Ich möchte mich für das kommende Jahr wappnen.“ „Wappnen“ – im ursprünglichen Wortsinn bedeutet das „sich rüsten, bewaffnen“, und ich fand es bemerkenswert, wie anders doch offensichtlich der vorsichtige, defensive Blick dieses Klienten auf das neue Jahr war als bei meiner gelassenen Bekannten.
Und doch, so wurde mir bewusst, gibt es etwas, was die beiden und die, die den Jahreswechsel ausgiebig oder ruhig oder gar nicht feiern, was uns alle verbindet – allein schon dadurch, dass wir eine neue Jahreszahl verwenden und die Monatszahl auf 1 zurückstellen, also neu zu zählen beginnen: Dadurch entsteht in uns ein Gefühl, dass jetzt etwas zu Ende gegangen ist und dafür etwas Neues anfängt.
Wir wollen, dass es gut wird
Dieses Gefühl kennen wir alle, vielleicht nur in ganz kleinem Maße, vielleicht auch nur diffus, aber auf irgendeine Art spürt jede und jeder von uns auf die eine oder andere Weise diesen kollektiven energetischen Impuls, diese Anfangsenergie. Wir denken unwillkürlich darüber nach, wie unser Leben im neuen Abschnitt weitergehen soll und was wir uns dafür wünschen.
Das ist etwas, was uns alle verbindet – auch wenn die Vorstellungen, die wir dabei entwickeln, ganz unterschiedlich sein können. Es kann uns bewusst machen, dass Menschen, die uns im Alltag nerven, über die wir uns aufregen, mit genau der gleichen Intention unterwegs sind wie wir: Auch sie wollen, dass es gut wird, dass sie glücklich werden. Wir können darin auf einmal die Verbindung, die wir alle haben, wieder besser spüren.
Unser aller Gefühl des Anfangs ist getragen von dem Wunsch, glücklich zu sein. Unabhängig davon, ob wir das mit einer entspannt-wohligen oder einer angespannt-wehrhaften Erwartung verbinden, ob wir voller Schwung oder eher vorsichtig ins neue Jahr gehen – wir wollen, dass wir nicht leiden, dass wir nicht schreckliche Dinge erleben, sondern dass es gut wird. Das ist die Magie des Anfangs, der wir uns nicht entziehen können und die Hermann Hesse in seinem berühmten Gedicht „Stufen“ so ausgedrückt hat: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“
Dieser Zauber steht uns an sich natürlich jederzeit zur Verfügung. Aber der Jahreswechsel gibt uns die regelmäßige Gelegenheit, diese Anfangsenergie wahrzunehmen und zu nutzen. Etwa über die guten Vorsätze, die viele von uns zum Jahresbeginn fassen und die auf das Glücklich-Werden zielen. Damit stehen sie im Dienste der Idee – die eigentlich eine Illusion ist –, dass es im Leben gut wird, wenn wir etwas Bestimmtes tun oder nicht tun oder uns auf eine bestimmte Weise verhalten. Wir übersehen dabei das, worüber ich im Januar letzten Jahres an dieser Stelle schon geschrieben habe: dass sich manchmal etwas völlig Neues auch durch aktives Nichtstun auftun kann.
Das bedeutet aber nun nicht, dass es verkehrt ist, etwas Neues dafür zu tun, dass es schön wird. Meine Bekannte wird jetzt bestimmt nicht für immer zu Hause sitzen und mit ihrer Familie kuscheln wollen. Und auch mein Klient hat im Laufe unseres Gesprächs natürlich gemerkt, dass Wappnen allein nicht glücklich macht, weil es viel zu anstrengend ist. Aber er hat verstanden, dass seine hinter dem Wunsch nach dem Wappnen stehende Angst einen energetischen Antreibmechanismus beinhaltet.
Die Energie des Beginnens
Wenn wir alle wollen, dass es uns gut geht, dass wir nicht leiden, sondern glücklich sind, ist das ein zutiefst basales menschliches Bedürfnis. Wir streben danach, wir wünschen uns das aus tiefstem Herzen, und das ist etwas Schönes, das wir zum Jahresanfang wieder bewusster spüren und aus dem wir dann auch wieder neue Energie ziehen können.
Das gilt vollkommen unabhängig davon, wie lange das, was wir uns konkret vornehmen, hält. Auch „nur“ drei Wochen im Fitnessstudio haben einen Wert, und auch dieses eine Gespräch mit unserem Partner oder unserer Partnerin bleibt an sich wertvoll, selbst wenn wir uns vielleicht vorgenommen haben, das ab jetzt jede Woche zu machen, und dieser Vorsatz im Sande verläuft. Alles das ist kein Scheitern: Dieses eine Mal haben wir es gemacht und wir haben es gespürt, und wir haben ja die Möglichkeit, immer wieder neu mit dem zu starten, was uns am Herzen liegt.
Bei dem uns alle verbindenden Wunsch, dass unser Leben in diesem Jahr gut wird, dass wir glücklich werden, steht generell weniger etwas bestimmtes Inhaltliches im Vordergrund als etwas Energetisches: die Energie des Beginnens, die uns einen Schub gibt, die uns das Gefühl einer Chance vermittelt: neues Jahr, neues Glück.
Wie Forschungen zum Thema „glücklich sein“ zeigen, geht es – unabhängig von konkreten Handlungszielen – uns allen im Kern um zwei grundlegende menschliche Bedürfnisse: dass wir zum einen ganz authentisch so sind, wie wir eben sind und dabei einen sicheren Platz haben im Leben, sodass wir ein Gefühl von Zugehörigkeit und Geliebt-Sein entwickeln können. Und zum anderen darum, dass wir uns mit etwas für uns Sinnvollem und Wichtigem einbringen können. Mit etwas für Andere in unserem Umfeld, unserer Gesellschaft. Mit etwas, was wir gut können, woran wir wachsen.
Wie auch immer wir mit dem uns alle verbindenden Wunsch umgehen, glücklich zu werden: Es hat etwas wunderbar Kindliches, dass wir uns zumindest einmal im Jahr damit beschäftigen. Darin steckt eine Frische, eine Unschuld, eine Neugier darauf, in etwas Neues zu starten. Unabhängig davon, wie wir uns mit diesem Wunsch beschäftigen und was wir uns konkret wünschen, ist allein diese Qualität etwas ganz Kostbares, das uns zum Jahresbeginn geschenkt wird.
Wir spüren dabei die Lebenskraft, die wir besitzen, seit wir geboren sind, und die uns bis zu unserem Tod erhalten bleibt. Wir können sie sonst an unseren Atemzügen, an unserem Herzschlag spüren, aber sie ist für uns nicht immer gleich fühlbar, weil wir mit der Aufmerksamkeit einfach zu sehr im Alltag involviert sind. Doch zum Beginn des Jahres bekommen wir einen Schub und können diese Lebenskraft spüren: Das alte Jahr ist vorbei, das ist alles erledigt, und jetzt ist es da, das neue Jahr, und nun können wir aufbrechen.
Ich erzähle Ihnen von dieser Aufbruchsenergie, weil ich Sie ermutigen will, diesem Potenzial zu trauen und es zu nutzen. Den Zauber des Jahresbeginns nicht für einen faulen Zauber zu halten und gleich weg zu rationalisieren, sondern sich über die Lebenskraft zu freuen, die immer in Ihnen steckt – und die zu diesem Zeitpunkt nun einmal besonders spürbar wird.
Wenn Sie sich auf diese Aufbruchsenergie einlassen, ergibt das auch einen Schneeballeffekt. Sie haben zwar keine Trusted-Shops-Garantie, dass das, was Sie beginnen, dauerhaft ist und für immer zum Erfolg führt. Es gibt nun mal kein Patentrezept zum Glücklichsein. Aber wenn sie sich Ihrer Energie einmal bewusst anvertrauen und Schönes erleben, werden Sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein zweites und drittes Mal tun.
Die Zukunft ist immer ungewiss. Doch es lohnt sich, dass Sie sich auf den Weg machen. Die dafür nötige Energie steckt in Ihnen und steht für Sie bereit. Schauen Sie hin, nehmen Sie sie wahr und lassen Sie sich auf den Zauber Ihres Jahresanfangs ein! Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie diesen energetischen Schub wahrnehmen und für sich nutzen können – nicht nur zum Jahresbeginn, sondern mehr und mehr immer dann, wenn Sie auf Ihre Lebensenergie zugreifen wollen.

